Jörg Hopperdietzel

Jahrgang 1964
Polizeibeamter

Die Frage nach dem, warum einer erneuten Kandidatur, lässt sich gar nicht so leicht in ein paar Zeilen beantworten.

Zunächst stellte ich mir die Frage, was habe ich, als ich in den Stadtrat einzog, um die Jugendhilfe in Chemnitz zu gestalten, bisher erreicht und was bleibt noch offen, was will ich noch schaffen.

Ich musste leider damit beginnen, Kindertagesstätten zu schließen, weil Kinder fehlten. An der Schließung von Einrichtungen führte kein Weg mehr vorbei, aber dieser Weg ließ sich gestalten. Unsere damalige Forderung, trotz der erforderlichen Schließungen ein flächendeckendes Netz von Kitas zu erhalten, ist heute Realität. Wir erreichten durch die aktive Einbeziehung von Vereinen und Initiativen eine gute Träger- und pädagogische Vielfalt. Unsere Warnungen, die Kindertagesstätten, so wie in Dresden aus der Verwaltung auszugliedern, wurden ernst genommen. Als Bestandteil der kommunalen Verwaltung und Daseinsführsorge leisten die Kindertagesstätten bei allen noch vorhandenen Defiziten einen unverzichtbaren Beitrag bei der Bildungsarbeit von Kindern. Durch den hohen Anteil kommunaler Einrichtungen konnte die Stadt Akzente setzten und Maßstäbe entwickeln, nur so konnte „Kind und Co“ in die Stadt geholt werden, was zu einem Qualitätssprung in der Bildungsarbeit führte. Lange bevor die Staatsregierung in Dresden erkannte, dass Kindertagesstätten Bildungseinrichtungen sind, haben wir in Chemnitz die Chemnitzer Bildungsplan entwickelt, das „Chemnitzer Curriculum“.

Sicher, im investiven Bereich haben wir starken Nachholebedarf. Wir schieben einen Investitionsrückstau von rund 140 Mill. € im Bereich der Kitas vor uns her. Leider konnten wir uns nicht beim Erhalt der selbstkochenden Einrichtungen durchsetzen – da bleiben noch dringende Handlungsräume in der neuen Legislatur.

Ebenso bei den Ausschlusskriterien. Nach wie vor werden Kinder von Bildung zeitweilig ausgeschlossen, weil ein Elternteil zu Hause ist. Ich finde dies skandalös und möchte weiter an der Aufhebung dieser Ungleichbehandlung und Benachteiligung arbeiten.

Uns gelang es, ein dichtes Netz der Jugendhilfe zu knüpfen und vielen freien Trägern Zukunftssicherheit zu geben. Trotz knapper Kassen wurde im Bereich der Jugendhilfe von mir Jahr für Jahr mehr Geld eingefordert und oft auch eingestellt. Sicher wünschen sich viele feien Träger noch mehr Geld und diese Wünsche sind nicht unberechtigt. Nach wie vor sind Zuschüsse für Sachkosten auf dem Niveau von 2003 eingefroren, nicht alle Träger konnten die 8 % Gehaltssteigerung erhalten. Auch im vergangenen Jahr mussten Stellen im Bereich der Jugendhilfe gekürzt werden, weil wir eben für unseren Antrag 350 T€ zusätzlich zum Etat zuzuführen keine Mehrheit erhielten.

Meine Forderung den Jugendhilfeplan zu überarbeiten und den neuen Gegebenheiten anzupassen wurde nun endlich aufgegriffen und wir befinden uns mitten im Entwicklungsprozess. Es muss uns gelingen durch aktive Vernetzung von Projekten, grundhafte Sicherung von „Kompetenzprojekten“ und Nutzung aller vorhandenen Ressourcen zur präventiven Jugendarbeit Kosten zu senken, ohne dass es zum Leistungsabbruch oder Dumpinglöhnen bei freien Trägern kommt. Wenn es uns zum Beispiel gelänge, Familienhilfe in allen Kindertagesstätten anzubieten und wir so Eltern und Kinder auf kurzem Wege erreichen, müsste es uns gelingen, die enorm hohen Kosten der Einzelfallhilfe zu senken. Einzelfallhilfen werden als Pflichtleistung immer dann gewährt, wenn Familien die Kindererziehung nicht mehr bewältigen können. Allein hier geben wir mehrere Millionen Euro aus, die uns dann im freiwilligen Leistungsbereich fehlen.
In unserer alternden Stadt ist es überlebenswichtig, Lebensräume für junge Menschen zu erhalten und zu neu schaffen.
Spannende Aufgaben werfen im Bereich der Jugendhilfe ihre Schatten voraus – ich möchte gern dazu beitragen, diese Aufgaben zukunftsorientiert zu lösen.

Mit Patrick gelang es in der vergangen Legislatur gemeinsame Bürgerversammlungen in Gablenz durchzuführen – dies möchte ich nicht nur weiterführen, sondern gemeinsam mit den Ortsgruppen der Linken auf den gesamten Wahlkreis erweitern.