02. Juni 2015 Katrin Pritscha

Zwei Tage Konferenz und kein Papier?

Dass diesmal alles irgendwie anders ist, bemerkten die Teilnehmer_innen der Zukunftskonferenz bereits bei der Anmeldung. Ein Namensschild, das gut sichtbar an der Kleidung befestigt werden sollte, ein Los mit einem Symbol darauf und die freundliche Bitte, im Plenum in der Mitte des Raumes Platz zu nehmen.

Nach der Begrüßung durch unseren Stadtvorsitzenden Nico Brünler und einer Einführung durch die AG Zukunft war es an den Moderatoren Thomas Hetzel und Ronald Höhner, einen Überblick darüber zu geben, was an diesem Wochenende passieren soll. Und das war eine ganze Menge: ein Blick in die Vergangenheit, einer auf die Gegenwart, Ausblicke in die Zukunft.

Gestartet wurde in „Reisegruppen“, gekennzeichnet durch die Symbole auf den Losen. Jeder suchte und fand seinen „Raum“ und anschließend hatte die Gruppe 20 Minuten Zeit sich darüber auszutauschen, was sie erwartet, was sie befürchtet, was sie sich wünscht. Ebenfalls in diesen Gruppen wurden hinsichtlich des Stadtverbandes die Fragen „Worauf bin ich stolz“ und „Was bedauere ich“ bearbeitet. Die Ergebnisse wurden im Plenum innerhalb einer (!) Minute pro Gruppe vorgestellt.

Um die Vergangenheit insgesamt sichtbar zu machen, hatten die Moderatoren einen Zeitstrahl vorbereitet, in dem jeder eintragen sollte, wann er zur Partei gekommen ist und wann er eine Funktion übernommen oder wieder aufgegeben hat. Ebenso vermerkt wurden Ereignisse, die als wichtig für den Stadtverband erachtet wurden.

In der nächsten Gruppenphase - in dieser arbeiteten bis zu 20 Menschen zusammen - sollten Trends für die nächsten zehn Jahre herausgearbeitet werden. Im Anschluss bekam jeder Teilnehmer die Gelegenheit, fünf dieser Trends zu markieren, die für ihn am wichtigsten sind. Ziel war es, die Trends herauszufiltern, aus denen bis zum Ende der Konferenz konkrete Vorschläge und Projekte entwickelt werden sollten. Das geschah in der nächsten Arbeitsgruppenphase, in denen sich die großen Gruppen wieder in kleinere Gruppen teilten. Die Ergebnisse aus diesen Gruppen wurden wiederum im Plenum vorgestellt. Insgesamt kamen 41 (!) Ideen zusammen!
Zum Abschluss des Tages fanden sich noch einmal alle in ihren Reisegruppen zusammen, um sich darüber auszutauschen, wie sie den Tag empfunden haben, was sie im Hinblick auf den nächsten befürchten oder hoffen.

Der Sonntag begann mit spürbarer Energie. Die Reisegruppen - inzwischen völlig routiniert im Finden ihres Raumes und in der Vergabe der vier Rollen (Gesprächsleiter_in, Schreiber_in, Berichterstatter_in,  Zeitnehmer_in) waren aufgefordert, ihre Wünsche und Befürchtungen hinsichtlich des Tages zu besprechen. Dann ging es in die „heiße Phase“. Über Nacht hatten die Moderatoren die Projekt- und Vorschlagsblätter sortiert, geordnet, zusammengefasst und geclustert. Herausgekommen waren Dinge, die fast sofort umsetzbar sind, Vorschläge, die noch konkreter gefasst werden mussten und Problemlagen, in denen sich Vorschläge diametral gegenüber standen.

Zwei große Themenkomplexe betrafen die Strukturen der Ortsverbände und die politische Bildung, die in kleineren Plena, moderiert von Tom und Ronald, in jeweils einer Stunde bearbeitet wurden. Für acht andere Projekte fanden sich Menschen, die dafür sorgten, dass die Ideen und Vorschläge einen Raum fanden und die Bearbeitung soweit vorangetrieben wurde, dass jetzt Zeitschienen stehen und Verantwortliche gefunden sind, die das Thema weiter behandeln werden. Auch diese Dinge wurden im Plenum vorgestellt und später in einer Galerie noch einmal für alle sichtbar gemacht.

Insgesamt wurden am Sonntag mehrere Vorschläge und Projekte bis zur Umsetzungsreife konkretisiert.  Von diesen werden wir in den nächsten Wochen und Monaten noch hören, lesen oder sie erleben.

Ist das viel? Ist das wenig? Ich sage: ja, es ist viel. Und es ist viel mehr, als die meisten für möglich gehalten haben. Viel wesentlicher für mich ist aber etwas anderes, das an diesem Wochenende deutlich geworden ist: dass ein anderes Miteinander möglich ist. Jeder, wirklich jeder, ist zu Wort gekommen und das ganz ohne quotierte Listen. Und jeder war aufgefordert, seine Energie nur in die Dinge zustecken, die für ihn wichtig und wesentlich sind. Jeder hatte jederzeit die Möglichkeit, den Prozess zu verlassen und die Gruppe durch seine Abwesenheit zu ehren, wenn er glaubt, nichts mehr beitragen zu können. Dadurch ist eine Konzentration entstanden, die wieder Zuversicht schaffte, dass selbst die heftigsten Verknotungen in unserem Stadtverband über kurz oder lang lösbar sind.

Wird es ein Papier geben? Ja, wird es. Aber nicht sofort. Wir haben gefühlte tausend Blätter gefüllt mit Gedanken und Anregungen, mit Kritik und Wünschen. Allein die Dokumentation füllt über hundert Fotos. Diese müssen erst einmal erfasst und ausgewertet werden.

Noch ein Wort zum Schluss: wir haben viel geschafft an diesem Wochenende. Eine Antwort auf all unsere Fragen haben wir nicht gefunden. Das war auch nicht das Ziel. Um das zu finden, mussten wir erstmal loslaufen und möglichst viele Menschen mitnehmen. Manche sagten, es hätten mehr sein können. Ich halte es da lieber mit einem Motto aus der Großgruppenerfahrung: Die, die da waren, waren genau die Richtigen. Wir sind alle die Richtigen. Lasst uns schauen, was wir auf unserem Weg noch entdecken!

Kategorien: Chemnitz, Stadtvorstand

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