05. April 2017

Veranstaltungshinweis: Buchlesung aus der Biografischen Reihe „Wir haben noch was zu sagen“

Bild: DIE LINKE. Görlitz

Aus der Biografischen Reihe „Wir haben noch was zu sagen“ liest Heiderose Gläß aus der Biografie ihres Vaters Alfred Schneider, am 25. April 2017 um 18.00 Uhr im Haus der Vereine (Bahnhofstraße 1, Frankenberg).

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des „Bündnis für Demokratie und Toleranz Frankenberg“, dem Gemeinschaftswerk Frankenberg und der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg.

„Solange Leben in mir ist!“ – mit diesem Ausruf von Karl Liebknecht endet ein 1965 geschriebener Brief meines Vaters an seine erste Enkelin, meine Nichte. Ich fand diesen Brief, der eigentlich ein Vermächtnis ist, in Papieren und Unterlagen, die meine Schwester mir 2013 über gab. Ich habe aus diesen Papieren und weiteren Aufzeichnungen das Leben meines Vaters, Alfred Schneider, nachvollzogen.

1908 geboren erlebte er als Kind den 1. Weltkrieg, wuchs mit 5 Geschwistern und seiner Mutter in großer Armut auf und fand so schon in frühen Jahren in die Reihen der organisierten Arbeiterbewegung und später zum antifaschistischen Widerstand. An viele  Episoden aus Erzählungen meines Vaters erinnere ich mich aus den Pioniernachmittagen und Jugendveranstaltungen, bei denen mein Vater als anerkannter „Verfolgter des Naziregimes“ auftrat, während meiner Schulzeit, aber auch später, als ich selbst Lehrerin war, in meinen eigen Klassen.

Es kommt mir darauf an, meine Vater, Alfred Schneider, nicht auf eine Sockel zu heben und als Helden darzustellen, sondern als jungen Mann, der schon in frühen Jahren Klassenunterschiede kennengelernt hat und sich als junger Sozialdemokrat eingereiht hat, in den Kampf gegen die Faschisten und besonders in die illegalen Arbeit nach 1933. Dass er das mit Zuchthaus und KZ-Haft, mit schrecklichen Jahren im Strafbataillon 999 und jahrelanger Trennung von seiner Familie bezahlt hat, und dass daraus der Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft entstanden ist, den er in der DDR versucht hat sich zu erfüllen, kann ich an vielen persönlichen Aufzeichnungen meine Vaters verdeutlichen. 

Ab Herbst 2014, nach meinem Ausscheiden aus dem Sächsischen Landtag, habe ich aus meinen Erinnerungen und in den Unterlagen meiner Eltern gefundenen Aufzeichnungen eine kleine Borschüre zusammengestellt, die durch den VVN-BdA Sachsen als erstes Heft einer geplanten Reihe veröffentlich wurde. Mit der Schriftenreihe will die Arbeitsgemeinschaft „Zweite und dritte Generation“ des VVN-BdA Sachsen e.V., wie im Vorwort beschrieben, das Wissen und die Erfahrungen von Zeitzeugen des antifaschistischen Widerstandskampfes vor dem Vergessen bewahren und an nachfolgende Generationen weitergeben.

Heiderose Gläß

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