14. Januar 2016 Susanne Schaper

Rechter Terror kennt keine Feiertage

Seit dem 05. Mai 2015 habe ich mein Büro auf dem Sonnenberg in der Zietenstraße 53 in Chemnitz für Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Leider fanden jene, die die mangelnde Gesprächsbereitschaft von Politikern gegenüber dem Volk kritisieren nie den Weg ins Büro. Wohl aber bis zu den Schaufenstern. So wurden schon nach kurzer Zeit die Schaufenster mit schwarzem Faserstift „verschönert“ und mit Pegida-Aufklebern geschmückt.
Diese Schmierereien ließen sich aber ohne weiteres mit warmen Wasser und Lappen mühelos entfernen. So wurde zu drastischeren Methoden gegriffen, als Mitte August von einem Schaufenster die komplette Folie abgerissen und stattdessen ein DIN A3 Plakat von PEGIDA angebracht wurde.

Die darauf folgenden Monate blieben ohne Anschläge, doch auch sonst verirrte sich niemand in das Büro. Das Gesprächsangebot war und ist da, aber die gesprächsbereiten Bürgerinnen und Bürger fehlten.

Die besinnliche Jahreszeit begann und man stellte sich auf friedliche Tage mit der Familie ein. Diese wurden jedoch jäh unterbrochen, als mich am Nachmittag die Nachricht meines Mitarbeiters erreichte. Jemand hatte über Weihnachten einen Stein auf das Schaufenster geworfen, so dass dieses stark beschädigt wurde. Zwar konnte die Polizei den Stein, der als Tatwaffe in Frage kam, sicherstellen, teilte uns aber auch mit, dass es wenig Aussicht auf Erfolg zur Ermittlung des Täters gibt.

Am 13. Januar 2016 stellte meine Mitarbeiterin fest, dass das Schaufenster diesmal Ziel eines Farbanschlags wurde. Unbekannte hatten wohl versucht, die Schrift mit grauer Sprühfarbe zu überdecken. Glücklicherweise konnte die Farbe auch diesmal problemlos beseitigt werden.

Natürlich werde ich mich trotz der Vorfälle nicht aus dem Büro vertreiben lassen. Dieses Jahr habe ich vor, die Räumlichkeiten für Sprachkurse für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen, damit wenigstens ein paar Bürger regelmäßig das Büro besuchen.

Der Vorfall macht aber deutlich, dass den selbsternannten Schützern des Abendlandes jegliche Werte desselbigen ziemlich egal sind. Wer nicht einmal zu Weihnachten Frieden walten lässt, zeigt, von wem die wahre Gefahr für das „Abendland“ ausgeht.

Kategorien: Abgeordnete, Antifaschismus, Asyl, Chemnitz

Kommentare

Stephan 15.01.2016, 16:11 Uhr
Gravatar: Stephan

Es ist traurig, dass die, die sich selbst als "Patrioten" bezeichnen, das Licht des Tages scheuen und nur im Dunkel der Nacht den Mut haben, in Kontakt zu kommen und dass dann auch nur mit Gewalt. Schade, Kritik nimmt Susanne Schaper sicher an, aber Gewalt ist nun mal keine Kritik. Mich erinnert dieses Verhalten der Schmierfinken und Zerstörer an Zeiten, aus denen nichts gutes für Deutschland erwuchs- ich dachte nie, das ich so etwas noch erleben muss. Wehret den Anfängen, dafür ist wohl schon zu spät, also muss doch jeder denkende Mensch sich gegen diese Dunkel-Patrioten und Lügen-Alternative wehren, dazu ist es nie zu spät! Nur der Start dafür ist unbequem.

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