10. September 2017 Nico Brünler

Nein zur Ehrung von Carl Hahn sen. - unverzügliche Entfernung der Ehrenplakette!

Nun also doch. Am heutigen Sonntag wird am Roten Turm in Chemnitz eine Gedenkplatte zu Ehren von Carl Hahn sen. enthüllt. Der Rotary Club will damit auf dem "Sächsischen Walk of Fame" einen "großen Sohn der Stadt" ehren.

Unter Verweis auf Hahns Verdienste beim Aufbau der sächsischen Automobilindustrie wird seine Rolle in der Zeit des Dritten Reichs bewusst ausgeblendet, ignoriert oder als unbedeutend verharmlost. Eine andere Interpretation lässt die Ehrung nicht zu. Wer von Hahn als Automobilbauer spricht darf jedoch darüber nicht schweigen. Zu seinem Lebenslauf gehört auch die Verantwortung für den tausendfachen Einsatz von Zwangsarbeitern, KZ-Insassen und Kriegsgefangenen bei der Auto Union.

Hahn war während der Nazizeit einer der Vorstände der Auto Union und als solcher tief in das System der Naziherrschaft verstrickt. In Verantwortung des damaligen Vorstandes wurden direkt bei dem Unternehmen 3.700 KZ-Häftlinge und rund 16.500 weitere Zwangsarbeiter eingesetzt. Allein im letzten Kriegsjahr fanden 4.500 dieser Zwangsarbeiter den Tod. Nach Erkenntnissen von Historikern richtete die SS darüber hinaus zur Aufrechterhaltung der Rüstungsproduktion eigens für die Auto Union Konzentrationslager ein, in denen Häftlinge für den Profit des Unternehmens ausgebeutet wurden. So 18.000 Menschen bei der Motorenproduktion im nordböhmischen KZ-Außenlager Leitmeritz.

Vor diesem Hintergrund erhielt im letzten Jahr im bayrischen Ingolstadt, dem jetzigen Sitz der Audi AG, die nach Hahns Vorstandskollegen Richard Bruhn benannte Straße einen neuen Namen. In Chemnitz passiert nun genau das Gegenteil.

Es bleibt die Aufforderung an die Stadt dafür zu sorgen, dass die heute auf öffentlichem Grund verlegte Gedenkplakette für Carl Hahn sen. schnellst möglich wieder entfernt wird. Alles andere wäre geschichtsvergessen und eine Verhöhnung der Opfer.

Kategorien: Antifaschismus, Chemnitz, Kommunalpolitik, Pressemitteilungen

Kommentare

Thomas Michaelis 11.09.2017, 23:22 Uhr
Gravatar: Thomas Michaelis

Genau die richtige Postion.Es kann nur einen Weg geben, die Entscheidung der Stadtverwalung,welcher Frau Ludwig vorsteht,muss rueckgaengig gemacht werden.
Die Verbrechen der Nazis,die Verwicklung von Wirtschaftsunternehmen in das Naziregime darf in der oeffentlichen Diskussion nicht ignoriert werden.
Diese Verantwortung haben wir bei der Auseinandersetzung mit der Nazidiktarur.
Dies beinhaltet fuer mich auch die Rolle von Wirtschaftsunternehmen und Personen.
Dies wird auch in der Person von Carl Hahn deutlich.

Johanna Güther 10.09.2017, 20:39 Uhr
Gravatar: Johanna Güther

Die Stellungnahme entspricht dem,was ich auch darüber denke. Schlimm ist,dass es nicht vorher entspechende Maßnahmen gab. Und wo bleibt die Stellungnahme der OB? Chemnitz will Kulturstadt werden!

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