26. Mai 2015 Sabine Pester

Luxus in Flüchtlingsunterkünften? Fehlanzeige!

Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft auf der Altendorfer Straße

Vergangenen Mittwoch waren Stadträt_innen, Mitarbeiter_innen der Stadtverwaltung sowie Mitglieder verschiedener Medien auf einer "Asyltour" durch Chemnitz. Besichtigt wurden die vier kommunalen Gemeinschaftsunterkünfte auf der Haydnstraße, der Oberfrohnaer Straße, der Altendorfer Straße und der Chemnitztalstraße sowie die dezentrale Unterbringung in Wohnungen am Bernsdorfer Hang.

Um es vorweg zu nehmen: Luxus, wie es von verschiedenen Seiten propagiert wird, findet man in den Unterkünften in keinster Weise. Ein Bett, einen Tisch und Stuhl sowie einen Spind, den die Asylsuchenden sich zumeist teilen müssen, mehr findet man in den Zimmern zumeist nicht. Bad und Küche gibt es nur als Gemeinschaftszimmer. Privatssphäre also gleich Null. Ablenkung vom tristen Alltag, wie bspw. durch Bücher, Fernseher, Sportgeräte oder Spielzeug für die Kinder, ist Mangelware.

82 Prozent der Kapazitäten in den Gemeinschaftsunterkünften sind derzeit belegt. Mit den neuen Zahlen vom Bund ist eigentlich sicher, dass die 359 Plätze nicht ausreichen werden. Das Sozialamt ist gerade dabei eine neue Ausschreibung zu formulieren. Was nicht einfach ist, da die Stadt sich an bestimmte Gesetze halten und zudem europaweit ausgeschrieben werden muss.

Im Gespräch mit den Asylsuchenden merkt man schnell, dass sie erst einmal dankbar sind nach einer langen Flucht ein sicheres Zuhause zu haben und genügend zu essen. Doch vielen reicht dies nicht. Sie wollen die deutsche Sprache schnell lernen. Sprachkurse werden zwar angeboten, aber zumeist nur von Ehrenamtler_innen und nur 2-3mal die Woche. Viele von den Asylsuchenden sind zudem hochqualifiziert - Ärzte, Ingenieure, Facharbeiter - doch arbeiten dürfen sie nicht. Dabei wäre das mit ihr größter Wunsch. Denn den ganzen Tag zu Hause sitzen, ohne Beschäftigung oder Zerstreung, ist vielen unangenehm. Das Sozialamt will daher in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur ab Herbst die beruflichen Qualifikationen der Asylsuchenden mit erfassen und versuchen diese so schnell wie möglich auf den Arbeitsmarkt zu bringen.

Kategorien: Asyl, Chemnitz, Kommunalpolitik, Stadtratsfraktion

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