31. August 2014 Hubert Gintschel

Gedanken zum Weltfriedenstag

Der Weltfriedenstag/Antikriegstag hat in diesem Jahr ein ganz besonderes Spannungsfeld. Zum Einen erinnern wir an den 100. Jahrestag des 1. Weltkrieges und den 75. Jahrestag des 2. Weltkrieges. Ich schreibe bewusst nicht Ausbruch oder Beginn. Das klingt so wie gottgewollte, schicksalhafte Ereignisse. Nein, es waren von Menschen gemachte und gewollte Kriege. Sie hatten, wie jeder Krieg, ihre gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und militärischen Ursachen.

In Bezug auf den 1. Weltkrieg haben zum diesjährigen Ostermarsch diese Ursachen deutlich aufgezeigt. Das Versagen der deutschen Sozialdemokratie, die ihre eigene internationale und nationale Beschlusslage verraten hat, kam noch dazu. Zwei Weltkriege im vorigen Jahrhundert, maßgeblich von der deutschen Machtkaste vom Zaune gebrochen, sollten als ewige Mahnung genug sein.

Ganz offensichtlich ist der Ruf von Millionen Menschen von 1945 "Nie wieder Krieg" aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein gestrichen worden. Dutzende von Kriegen zerreißen heute wieder die Welt. Irak, Afghanistan, Palästina, Ukraine und jetzt noch ein neues "Kalifat" sind die Spitze dieser Entwicklung.
Es ist nicht der Platz alle Ursachen im Detail zu beleuchten.

Fragen muss man aber: Wer hat die Weltöffentlichkeit vor dem Irak-Krieg schamlos belogen, um einen Bombengrund zu konstruieren? Wer hat die Taliban aufgerüstet? Ist es nicht die Bringeschuld Israels, wie es der israelische Geschichtsprofessor Moshe Zuckerman formuliert, Frieden in Palästina zu bringen? Haben nicht israelische und palästinensische Menschen gleiche Lebens- und Existenzrechte?  Warum wird dem NATO-Land Türkei nicht unmissverständlich klar gemacht, dass die Förderung islamistischer
Extremisten nicht zu Europa passt? Warum wurden von der NATO die Sicherheitsinteressen Russlands mit Füßen getreten und Vereinbarungen nicht eingehalten?

Nach der Niederlage des "real existierenden Sozialismus" will die alte kapitalistische Gesellschaftsform wieder die uneingeschränkte Herrschaft über alle ökonomischen Ressourcen und Märkte. Alte Großmachtinteressen bekommen ein neues Gewand. Dafür wird Krieg wieder zum Mittel von Politik gemacht.

Und die BRD will wieder mit ihrer gewachsenen Potenz in der ersten Reihe mitspielen. Das Feigenblatt von der "ultima ratio" des Ex-Pfarrers und Bundespräsidenten Gauck ändert daran nichts. Nichts mehr mit "Schwertern zu Pflugscharen". Obwohl gerade das manche Konfliktursache tatsächlich
bekämpfen würde. Über Bord geworfen die Forderung von R. Eppelmann im Berliner Appell, Wehrkunde durch Friedenskunde zu ersetzen. Mit dem Segen der CDU wird heute an Schulen wieder Krieg führen gelehrt. Nichts anderes
macht in der letzten Konsequenz die Bundeswehr.

Zum Schluss noch ein Gedanke Friedrich Schillers: "Das ist nicht des deutschen Größe, obzusiegen mit dem Schwert, in das Geistesreich zu dringen, Vorurteile zu besiegen, männlich mit dem Wahn zu kriegen, das ist seines Eifers Wert!" Dem ist der 1.September verpflichtet.

Kategorien: DIE LINKE. Chemnitz, Stadtvorstand

Kommentare

Keine Kommentare zu diesem Beitrag

Hinterlassen Sie einen Kommentar