31. Mai 2016

Geboren 1869, gestorben am 27.05.2006

Am 27. Mai 2006 verließ der letzte Interregio nach Berlin den Chemnitzer Hauptbahnhof. Seitdem verfügt die viertgrößte Stadt im Osten Deutschlands über keinen direkten Anschluss an den schienengebundenen Fernverkehr mehr.

Zur Erinnerung: in den Neunziger Jahren konnte man von Chemnitz direkt und ohne Umstieg nach Berlin und zum Teil weiter bis an die Ostsee fahren. Im Fahrplan 1994/95 gab es sogar eine Direktverbindung nach Kopenhagen! In südliche Richtung führte ein Interregio über die Sachsen-Franken-Magistrale von Dresden über Chemnitz und Hof bis München und teilweise ohne Umstieg weiter bis in die Alpen. Auch die durchgehende Verbindung nach Göttingen ist schon längst Geschichte.

Nach der Planung der Bundesregierung wird im neuen Bundesverkehrswegeplan die Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig nicht aufgenommen, weil die Bahn auch langfristig nicht vorhat IC oder ICE vom Fernverkehrsknoten Leipzig nach Dresden weiterzuleiten.

Passend zum heutigen Datum hat der sächsische Landtag heute mit den Stimmen von CDU und SPD einen Antrag angenommen, der sich zwar für den Bau der Schnellfahrverbindung von Dresden nach Prag und die damit verbundene Untertunnelung des Erzgebirges ausspricht, der Bahnanbindung von Chemnitz aber gegen den Widerstand von Linken und Grünen keinerlei Beachtung schenkt!

Eine Fernbahnanbindung unserer Stadt ist erst ab 2022 als InterCity von Dresden nach München geplant. 2032 soll die Mitte-Deutschland-Verbindung über Thüringen nach Düsseldorf folgen, die ab Gera allerdings schon 2018 startet. Hier haben die Thüringer Staatsregierung, die Bahn und der zuständige Verkehrsverbund Hand in Hand eine gemeinsame Lösung gefunden. Im Kontrast dazu „arbeitet“ der Verkehrsverbund Mittelsachsen VMS derzeit mit allen Mitteln daran, die Deutsche Bahn auch im Nahverkehr aus der Region Chemnitz zu verdrängen und Verbindungen in das Chemnitzer Umland durch Privatbahnen bedienen zu lassen oder ganz abzuschalten.

Das sendet ein fatales Signal auch hinsichtlich der Bedeutung eines funktionierenden Fernverkehres. Chemnitz wird so auf dem Abstellgleichausrangiert, auf Kosten des Wirtschaftsstandortes und der Lebensqualität.

Was unsere Stadt braucht ist eine Direktanbindung nach Berlin, Ausbau und Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig und der Einsatz moderner barrierefreier Züge auf dieser Strecke, und eine Verbindung nach München und Düsseldorf nicht erst in sechs bis sieben Jahren!

Kategorien: Abgeordnete, Bundespolitik, Chemnitz, Wirtschaft

Kommentare

Mauz 01.06.2016, 20:11 Uhr
Gravatar: Mauz

Es ist wie üblich im Kapitalismus immer das Gleiche: Steigende Preise und dafür eingeschränkte Leistungen. Ich weiß, dass es vor 30 Jahren mal umgekehrt war. Die Bahn erhöht ständig die Preise, verringert dafür aber im Gegenzug die Leistung, s. Interregio Chemnitz-Berlin und ähnliches.

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