Wie lange hält sie noch durch unsere Solarindustrie?

- Solche Bilder werden bald der Vergangenheit angehören. Solaranlagen auf Eigenheimen lohnen sich nicht mehr.
Die aktuell angekündigten Schließung aller First-Solar-Werke in Deutschland ist zwangsläufig wieder auf eine Entscheidung von Rösler und Röttgen zurückzuführen, der aktuellen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die mit Ignoranz durchgezogene Kürzung der Solarförderung ist besonders für die Industriestruktur in Ostdeutschland verheerend. Die Q-Sells Pleite ist sicherlich die Spitze des Eisbergs. Die Politik von CDU und FDP führt quasi in eine erneute De-Industrialisierung bestimmter Regionen. Sicherlich wurde die Solarenergie im Erneuerbare-Energien-Mix stark bevorteilt, aber das Tabula-rasa führt zwangsläufig in die Vernichtung einheimischer Arbeitsplätze. Die Ursache liegt sogar noch tiefer. Mit der Förderung von Technologietransfer wurde deutsche Technologie nach Fernost insbesondere China, Taiwan und Malaysia gebracht. Mit einem Bruchteil des Lohnes von hierzulande kommen nun damit produzierte Solarzellen zurück. Wettbewerb nennt es "Wirtschaftsschlaui" Rösler. Was hier passiert, ist aber eine weitestgehend selbstinitiierte unbegrenzte Marktbereinigung. Deutschland ist eben "wirtschaftsliberal". Dass die USA ihren Solarherstellermarkt durch hohe Importzölle abschottet, soll ja angeblich in Europa wegen der Exportlastigkeit nach Asien und der dadurch möglichen Gegenmaßnahmen nicht realisier
bar sein. Allerdings: Warum geht Deutschland nicht den Weg z.B. Italiens, die ebenfalls Förderreduzierungen vorgenommen haben, aber bei Verwendung von in der EU produzierter Solartechnik, eine höhere Einspeisevergütung garantiert?
Hilfe für die von Solarpleiten und Werkschließungen betroffenen Regionen aus der Bundesregierung: Fehlanzeige! Die Länder müssen nun Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und neue Perspektiven entwickeln. Die "Röslersche Wirtschaftspolitik" gleicht nicht nur einem Glücksspiel, sondern entspricht der Methode "Versuch und Irrtum". Es wäre an der Zeit, dass die Kanzlerin sich für "ihren Osten", wo das Zentrum der Branche ist, stark macht und den wiederholten Röslerschen Irrtum korrigiert. Und nur ganz nebenbei: Es wären sonst Milliarden an Förderungen für Technologieentwicklung und Anlagentechnik, einschließlich von spezifischer Infrastruktur in den Sand gesetzt.
Den aktuellen Meldungen vom April "Insolvenz von Q-Sells", "Schließung der deutschen Tochter von First-Solar" und denen in den Wochen davor "Börsensturz von Phoenix Solar wegen Absatzeinbußen" und "kein Lohn bei Odersun wegen drastischen Umsatzrückgangs" folgte am 17. April eine andere, allerdings aus Österreich. Dort wurde der Beschluss gefasst: "Österreich wird atomstromfrei!" Damit wurde ein deutliches Signal vor allem an osteuropäische Länder gesendet, die verstärkt in Atomkraft investieren wollen, dahingehend, dass Öster-reich keinen Atomstrom mehr abnehmen wird. Jede importierte Strommenge muss nun mit Herkunftszertifikaten belegt werden. Die Energieunternehmen garantieren, auf den Bezug von Atomstromzertifikaten zu verzichten. Somit wird Atomstrom aus Österreich de facto verbannt.
In Österreich gibt es keine Kürzungen in der Solarbranche. Wie prekär die Situation in Deutschalnd ist, kommentierte ein Aktienhändler im Wall Street Journal: "Die Nachrichtenlage um deutsche Solarwerte wird immer fürchterlicher, ich weiß nicht, wie man die Energiewende ohne existierende Binnen-Unternehmen schaffen will."
Fazit: Das Erneuerbare Energien Gesetz erweist sich mit jeder Novelle mehr als "Totengräber" der Solarbranche. Ohne eine gewisse "kritische Masse" an einheimischen Unternehmen ist es schwer, sowohl das Technologie-Niveau, als auch das Know-how und qualifizierte Mitarbeiter zu behalten. Und es geht nicht nur um die Produzenten der Solartechnik, es geht auch um die Installationsfirmen, um das Handwerk vor Ort, auch hier wurden schon Arbeitsplätze reduziert.
Die als "Jobmotor" und "Zukunftsbranche" von allen Parteien einmal benannte Solarindustrie ist durch "Novellen-Infektionen" krank. Als "Arzt" erscheint Philipp Rösler unfähig. Bleibt eben nicht nur die Frage, hält die Branche noch bis zur nächsten Bundestagswahl 2013 durch, sondern auch die damit zwangsläufig neue Frage: Was kommt dann?
Thomas Scherzberg
Harter Konkurrenzkampf drückt die Preise und macht das Überleben schwer
Roman Z. ist Solaranlagenmonteuer bei einer Berliner Firma. Die ist schon lange am Markt, verkauft und montiert Solaranlagen. Er sagt: „Der Trend geht eindeutig zu großen Anlagen, wie Freilandanlagen ab 1 Megawatt. Kleinanlagen, wie auf Eigenheimen rentieren sich nicht mehr.“ Modulhersteller aus Asien und den USA überschwemmen den Markt und verdrängen die teuren deutschen Module, zudem versuchen auch Dachdecker und Elektriker zunehmend ihr Glück auf dem Solarsektor. Das drückt die Preise und macht es den Fachfirmen schwer. Kostet ein Modul in Europa beispielsweise 300 Euro, so ist das aus Malaysia um die Hälfte billiger. „Dabei haben die ausländischen Module oft qualitative Macken, so mussten wir schon einmal 8500 Module aus Japan wegschmeißen und neue montieren.“ Produktion und Montage verschieben sich ins Ausland, zum Beispiel nach Nigeria, wo das ganze Jahr die Sonne scheint. Der deutsche Standort verliert immer mehr an Bedeutung. So ist auch die Berliner Firma zunehmend im Auslandseinsatz, Baustellen in Deutschland werden seltener, Solaranlagen auf privaten Hausdächern kaum noch montiert. „Es ist ein harter Konkurrenzkampf in unserer Branche und das Firmensterben noch lange nicht vorbei“, weiß Roman Z.
