Kraftmaxen und Spiegelbildern Leon besucht mit den Großeltern die Erlebniswelt Phänomenia in Gesau
Das Wichtigste auf dem Hof vor dem Haus ist ein Auto, das an einem Gestänge hängt. Das Auto ist an einem kurzen Hebel aufgehangen. Leon drückte den langen Hebel auf der anderen Seite und schwupp-die-wupp zieht es das Auto nach oben. Opa erklärte das physikalische Gesetz „Kraft x Kraftarm ist gleich Last x Lastarm“. Physikalisches Gesetz hin – physikalisches Gesetz her, es mutet wie ein Wunder an, wenn ein Zehnjähriger ein ganzes Auto zum Schweben bringt.
Gleich ausprobiert wurden zwei eigenartige Telefone, ein Flüsterspiegel und eine Flüsterröhre. Bei einem weiteren Telefon, was aus zwei Konservendosen und einem Draht besteht, erzählte Opa, dass er als Schuljunge mit seinem Freund, der nebenan wohnte, so telefoniert habe. Auch heute noch ist diese Apparatur gut, allerhand Quatsch hin und her zu erzählen.
In einem „Seekrankheits-Haus“ ist der Fußboden so schräg-verwunden, dass Leon und auch Opa, nachdem sie einige Runden gelaufen waren, einen ordentlichen Drehwurm bekommen hatten.
So war mit Telefonieren, Auto anheben und Seekrankheit schon eine halbe Stunde vergangen, bevor die drei überhaupt zum Eingang kamen. Dort lauerte gleich um die Ecke eine optische Täuschung, ein Elefant mit fünf Beinen. Sie guckten hin und guckten her, sie kamen mit diesem Bild nicht zurecht. Doch es war nur ein simpler Trick, natürlich hatte der Elefant vier Beine. Unter den über 300 Exponaten befanden sich allerhand Darstellungen, bei denen man überlegen musste, geht das oder nicht.
Richtig lustig wurde es bei den Spiegeln. Man konnte um die Ecken gucken oder sich im Zerrspiegel ansehen. Am besten gefiel Leon ein Kaleidoskop, und zwar eins, wo man reingehen kann. Natürlich krabbelte Leon hinein zu den Zauberspiegeln und stellte fest: „Man sieht sich ja millionenmal“.
Das ist der Vorteil in Phänomenia, probieren und angreifen ist ausdrücklich erwünscht. Die Leute, die sich dieses Haus ausgedacht haben, hatten mehreres im Sinn, einmal einen kurzweiligen Zeitvertreib und zum anderen aber auch, dass man spielend lernt. Diese Art zu lernen macht richtig Spaß.
Ähnlich wie bei dem Experiment mit dem Auto auf dem Hof war es an einer Batterie von Flaschenzügen. Durch geschicktes Zusammenfügen von Rollen, über die ein Zugseil läuft, wird das Heben von Lasten erleichtert. Da wusste Oma Bescheid. Sie kannte das aus ihrer Kindheit. Damals war an vielen Häusern noch über der Bodenluke ein Flaschenzug angebracht, um schwere Gegenstände mit geringem Kraftaufwand auf den Oberboden zu heben. Opa verwies auf die Anwendung von Flaschenzügen an Baukränen und wusste
auch, dass ein Differentialflaschenzug bis zu tausendfach die Kraft verstärken kann. Leon wollte wissen, wer den Flaschenzug erfunden hat. Das interessierte alle und so schauten sie zu Hause ins Internet. Und siehe da, die alten Römer hatten schon Kräne mit Flaschenzügen beim Bau ihrer Arenen im Einsatz.
Habt ihr schon einmal in einer Seifenblase gestanden? „Nun ist aber Schluss“, höre ich da einige sagen, „veralbern können wir uns alleine.“ Nein, das ist kein Quatsch, das geht wirklich. Man stellt sich in die Mitte eines großen Tellers mit Seifenwasser und zieht ganz behutsam einen Ring nach oben, so, wie ihr es auf dem Bild seht. Dass das klappt, hängt mit der Oberflächenspannung der Seifenlauge zusammen.
Es gab dann noch Kugelbahnen in allen Variationen, Geschicklichkeits- und Ratespiele sowie Pendel. Alles wurde ausprobiert. Manche Spiele waren einfach, andere ganz schön knifflig. Übrigens, die Großeltern spielten begeistert mit.
Die Zeit verging wie im Fluge, unsere drei waren abgekämpft. In einer kleinen Gaststätte gab es ein spätes Mittagessen, Eierkuchen mit Apfelmus. Leon bestellte noch eine Portion nach.
Schluss nun mit erzählen, da muss man selber hinfahren.
Viel Spaß dabei
wünscht Euch
Eure Ingrid Schmidt
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