Überlebende des KZ Flossenbürg zu Besuch in Flöha

Etwas ungewöhnlich war die Information, die die Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten in Chemnitz am späten Abend des 20. Juli erreichte. Eine Gruppe französischer Kameraden der „Association des Déportés et familles des Disparus du camp de concentration de Flossenbürg & Kommandos“ sei in Sachsen auf den Spuren der eigenen und der Geschichte der Familienangehörigen unterwegs, die in das KZ Flossenbürg in Bayern und dessen Außenlager verschleppt wurden. Dabei besuchten sie nicht nur Stätten ihres Martyriums in Betrieben – wo sie zur Verrichtung von Zwangsarbeit gezwungen waren – sondern auch die Gräber der ermordeten Kameraden und die Orte, an denen sich kleine Erinnerungsstätten für die Opfer der Todesmärsche befinden. In Zwickau, so war zu erfahren, wurde der 35 Teilnehmer zählenden Delegation der Zutritt zu einer Gedenkstätte verweigert, weil sie für einen anderen Tag angemeldet waren – ein wohl unentschuldbares Verhalten der Verantwortlichen. Trotz der unklaren Angaben über den Aufenthalt und die weitere Reiseroute der Freunde aus Frankreich, konnten die Chemnitzer Kameraden Justin Sonder, selbst einst Häftling im KZ Flossenbürg, Thiemo Kirmse und Enrico Hilbert Kontakt mit dem Präsidenten Michel Clisson aufnehmen. In Chemnitz hatte die Gruppe im Hotel „Mercure“ übernachtet. So war es möglich, dass die Chemnitzer gemeinsam mit den Gästen den nächsten Ort der Gedenkreise besuchen konnten. Erstes Ziel am Morgen des 21. Juli war die ehemalige Tüllfabrik in Flöha. Rund 190 der 600 bis 800 Häftlinge in diesem Außenlager waren Franzosen. Ab 1944 war dieses Lager des KZ Flossenbürg in Flöha eingerichtet worden und die Häftlinge arbeiteten in den Erla Flugzeugwerken, die von Leipzig verlegt wurden. Am 15. April 1945 wurden 56 der Häftlinge im Forst zu Reitzenhain von der SS ermordet. Doch auch in der Zeit in Flöha waren die Häftlinge unwürdigen Bedingungen ausgesetzt. Die Gedenkstätte wurde nach 1945 von der VVN geschaffen. Zur Freude des Präsidenten Michel Clisson, Justin Sonders und des Vorsitzenden des VVN/BdA des Kreises Freiberg Hans Richter, wurden die Gäste dort vom Oberbürgermeister der Stadt Friedrich Schlosser (CDU) begrüßt. Es war das erste Mal auf dieser Reise, dass ein solch ranghoher Vertreter des öffentlichen Lebens die Delegation empfing. Sehr erfreut über den Besuch waren weitere Vertreter des Stadtrates, unter ihnen VolkerHoluscha (DIE LINKE). Gemeinsam gaben sie das Versprechen ab, die Gedenkstätte zu erhalten und die beschädigte Erinnerungstafel, für die die Franzosen Ersatz mitgebracht hatten, auszutauschen. Nach der Ehrung für die Opfer kam es zu herzlichen Gesprächen zwischen sich bis dato Fremden, so als ob sich die Kameraden schon viele Jahre kennen würden. Justin Sonder erzählte die Geschichte seiner Befreiung, die er mit seinem Kameraden Leon Marx erlebte. Auf dem Todesmarsch von Flossenbürg wurden sie in der Oberpfalz, in dem kleinen Ort Wetterfeld von US-amerikanischen Truppen befreit. Nach der Befreiung hatte er seinen Kameraden aus Paris jedoch aus den Augen verloren und sein Schicksal blieb unbekannt. Nun besteht die Hoffnung, zu erfahren, was aus ihm geworden ist. Leider war die Zeit an diesem Morgen nicht ausreichend, denn weitere Ziele sollten noch angefahren werden. Nächste Station der Reise sollte Marienberg sein. Beim Abschied versprach man sich, gegenseitig den Kontakt zu halten, und zukünftige Gedenkfahrten gemeinsam zu planen. Die Chemnitzer haben die französischen Kameraden zu einem Besuch in ihre Heimatstadt eingeladen, nicht nur, um die Gedenkstätten in Chemnitz zu besuchen, und sich gemeinsam auf Spurensuche zu begeben, sondern auch, um sich kennen zu lernen, und eine dauerhafte internationale Partnerschaft ins Leben zu rufen. (EH)

Berufsstolz und Traditionsbild gehören eng zusammen

Am 1. Juli, dem ehemaligen Tag der Deutschen Volkspolizei, übergaben Veteranen der Deutschen Volkspolizei und Mitglieder eines ehemaligen Studienkollektivs eine Absolventenchronik der Hochschule der Deutschen Volkspolizei Berlin-Kaulsdorf an das Polizeihistorische Museum Pfaffroda-Schönfeld. Dessen Leiter Klaus-Dieter Erber erzählt: „Ein Zufallsfund war der Ausgangspunkt der heutigen Kontakte zum Studienkollektiv der Hochschule der Deutschen Volkspolizei. Im November 2006 fand ich in Unterlagen, die bereits zur Vernichtung vorgesehen waren, einen Brief der Tochter des Arbeiterführers Ernst Thälmann, Irma Gabel Thälmann, datiert auf den 3.2.1968. In diesem Brief bat sie den damaligen Leiter der Spezial-Waffenschule Bautzen ‚Besorgt doch für mich eine Genehmigung zum Betreten der Haftanstalt Bautzen, ich möchte mir die Zelle, in der mein Vater lebte, anschauen.‘ Diesen Brief nahm ich zum Anlass, Recherchen in der Strafvollzugseinrichtung Bautzen zu führen, in deren Folge auch eine kleine Chronik zur Thälmanngedenkstätte, die sich in der Haftanstalt befindet, entstand. Es kam dann der Kontakt zur Familie Zellmer aus Frankenberg zustande, deren Vater und Schwiegervater Otto Zellmer in den Jahren 1932/1933 zum engsten Personenschutz Thälmanns gehörte. Von der Gestapo verhaftet, wurde Otto Zellmer zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt und  gehörte nach seiner Befreiung zu den Volkspolizisten der ersten Stunde. Weiterführende Recherchen ergaben sich im Stadtmuseum und Stadtarchiv in Löbau, denn Otto Zellmer war bis zu seinem krankheitsbedingten Ausscheiden aus der Deutschen Volkspolizei im VPKA Löbau tätig. Und so war es nur naheliegend, mit einem der Leiter des ehemaligen VPKA Löbau Kontakt aufzunehmen. Dies war Manfred Holfert, dem schließlich der Kontakt zwischen den Absolventen der Hochschule der Deutschen Volkspolizei Berlin und dem Polizeihistorischen Museum Pfaffroda- Schönfeld zu verdanken ist. So kam es schließlich dazu, dass die Absolventenchronik heute dem Museum übergeben werden kann und ich damit die Früchte meiner langjährigen Arbeit ernte.“
Im Auftrag von Dr. Manfred Strutz, Oberst der VP a.D.,  übergab Manfred Holfert zusätzlich noch dessen dokumentarischen Erinnerungen an seine 42 Jahre im Dienst der Deutschen Volkspolizei, verbunden mit den persönlich niedergeschriebenen und an Klaus-Dieter Erber gerichteten Worten:
„Es gehört schon viel Mut dazu, nach dem Niedergang der DDR und damit auch dem Ende der DVP der Volkspolizei in Form eines Museums ein würdiges Denkmal zu setzen; denn damit würdigen Sie auch den ehrenvollen Dienst zehntausender Volkspolizisten.“
Klaus-Dieter Erber bedankte sich bei den ehemaligen Volkspolizisten: „Wenn ich heute diese, Ihre Chronik in den  Händen halte, so halte ich Lebenswege und Lebenswerke in den Händen. So wie es auch in meinem Museum keine ‚toten Gegenstände‘ gibt, denn jeder Gegenstand hat etwas zu erzählen, von sich, seiner Zeit und seinem ehemaligen Besitzer. So kann und wird auch diese Chronik von den Menschen erzählen, die unsere Geschichte, unsere Vergangenheit gestaltet haben.
Es ist für mich eine Bestätigung meiner Zielstellung und der damit einhergehenden Aktivitäten  zu einer fairen und seriösen Aufarbeitung unserer Vergangenheit. Unsere Vergangenheit ist es Wert, erhalten zu bleiben, denn sie ist ein Teil von uns.“
Das private Polizeihistorische Museum Pfaffroda-Schönfeld zeigt auf ca. 70 Quadratmetern  in fünf Räumen und im Eingangsbereich polizeihistorische Gegenstände und Dokumente sowie Historisches aus der sowjetischen Besatzungszone und Interessantes aus 45 Jahren Deutsche Volkspolizei und Organe des Ministeriums des Innern der DDR. Besichtigung ist nur nach Voranmeldung und Terminabsprache möglich.
Klaus-Dieter Erber bietet auch Führungen im Rahmen von  Ferien- und Freizeitbeschäftigung,  Jugendarbeit und  Projektwochen in der Schule an.
Bei Bedarf kann zu Repräsentationszwecken (z. B. Firmenjubiläen, Festumzüge, besondere Ehrungen u.a.) das Museumsrepräsentationsfahrzeug "Barkas B 1000 - Deutsche Volkspolizei - Verkehrsunfallbereitschaft" zur Verfügung gestellt werden (nur mit Fahrer).

Kontakt:
Polizeihistorisches Museum Schönfeld-Pfaffroda
Telefon: 037360/6146
Handy: 015 117249414 | Mail: klaus-dieter.erber@gmx.de

Ehrenamt bittet um Mithilfe

Namen und Schicksale der Häftlinge im KZ Sachsenburg sollen nicht vergessen
werden

In Sachsenburg – im Städtedreieck Frankenberg/Mittweida/Chemnitz an der Zschopau gelegen – befand sich zwischen 1933 und 1937 eines der größten frühen Konzentrationslager, das die Nazis in Sachsen eingerichtet haben. Bereits kurz nach der Machtergreifung waren hier – noch vor Buchenwald, Sachsenhausen, Auschwitz u.a. KZ – bis  zu 2000 Männer gefangen. Andere Quellen geben noch höhere Zahl an. Heute sind noch 424 von ihnen namentlich bekannt.
Deshalb haben es sich die allesamt ehrenamtlich wirkenden Mitglieder der jüngst von den beiden ehemaligen Sachsenburg-Häftlingen Karl Stenzel (Jahrgang 1915) und Otto Schubrig (Jahrgang 1907) ins Leben gerufenen „Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg“ zur Aufgabe gemacht, eine Namensliste weitestgehend zu vervollständigen. Denn – so die Männer und Frauen  – Jeder Name ist ein Schicksal, ist ein Teil der Geschichte; Geschichte, die z.T. auch bis in die Gegenwart der ganzen Region wirkt und die es nicht zu vergessen gilt! Und wozu das ganze Land bereits 1993 vom Europaparlament verpflichtet wurde!
Das historische Mahnmal – in  der Landespolitik zu oft vergessen, für das Ehrenamt eine ehrenvolle Pflicht, zu mahnen.  
Nachdem im letzten Jahr das Buch „SACHSENBURG  DOKUMENTE + ERINNERUNGEN/NEUAUFLAGE“ veröffentlicht und der Öffentlichkeit übergeben wurde, gab es bereits von Lesern wichtige Hinweise. Das Buch erwies sich, wie zu lesen war, von regionalgeschichtlicher Bedeutung. Und es könnte auch Bezugspunkt werden für weitere Informationen über und von einstigen „Sachsenburgern“, Weggefährten, Hinterbliebenen oder Bekannten.  
Die „LAG KZ Sachsenburg“ bittet nun eine breite Öffentlichkeit sich an dieser Spurensuche zu beteiligen. Hinweise und weitere Informationen: LAG Sachsenburg,  Rosenplatz 4,  09126 Chemnitz.
Das Buch
SACHSENBURG  DOKUMENTE + ERINNERUNGEN/ NEUAUFLAGE, 268 Seiten, Broschur, 7.95 Euro zuzüglich Versandkosten, ISBN 978-3-00-027823-5, ist zu beziehen über E-Mail info@vvn-bda-chemnitz.de oder schriftlich an LAG Sachsenburg Rosenplatz 4  09126 Chemnitz.

Direkte Demokratie: Nun muss nur noch die CDU springen

76 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger wollen Volksabstimmungen auch auf Bundesebene. Dazu erklärt Petra Pau, Mitglied im Vorstand der Bundestagsfraktion DIE LINKE und im Innenausschuss: "DIE LINKE will direkte Demokratie auch auf Bundesebene. SPD und Grüne wollen dies inzwischen auch wieder. Die FDP will Volksabstimmungen. Selbst der CSU-Generalsekretär spricht sich dafür aus. Nun muss nur noch die CDU über ihren Schatten springen.
DIE LINKE im Bundestag hat einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt. Mit gutem Willen kann der Demokratiesprung im Oktober 2010 geschafft sein. Er ist überfällig. Denn in Fragen direkter Demokratie ist die Bundesrepublik Deutschland noch immer ein EU-Entwicklungsland