Es ist unsere Stadt - Nazis haben hier keinen Platz

- Impressionen vom Chemnitzer Friedenstag 2011.
Liebe Bürgerinnen und Bürger,am 5. März begehen wir den Chemnitzer Friedenstag. Er ist ein Tag des würdigen Gedenkens und ein Tag des Bekenntnisses zu Demokratie und Toleranz.Wir wissen: Ein Krieg von unvorstellbarer Zerstörungskraft, der mindestens 50 Millionen Tote forderte und einen ganzen Kontinent ins Verderben stürzte, kehrte in das Land seiner Verursacher zurück. Der von Deutschland entfesselte Krieg wendete sich am 5. März 1945 auch gegen unsere Stadt.Und auch mehr als sechs Jahrzehnte der Auseinandersetzung mit dem Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus waren augenscheinlich nicht genug, um die rechtsextreme Ideologie aus Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit endlich zum Schweigen zu bringen.67 Jahre danach wollen Gegner von Demokratie und Freiheit ihre gefährliche Geschichtsfälschung auf die Straße tragen. Es ist an uns als aufgeklärte Zivilgesellschaft, unsere Werte und Institutionen gegen einen solchen Missbrauch zu verteidigen. Friedlich, aber unnachgiebig. Mutig und voller Engagement.Der 5. März ist in unserer Stadt ein Tag des
Gedenkens an die Opfer eines furchtbaren Krieges. Seine Lehre kann nur sein, solch eine Ideologie nie wieder erstarken zu lassen. Es ist unsere Verantwortung zu zeigen, dass wir die rassistische Propaganda nicht unwidersprochen hinnehmen – nicht am 5. März und nicht in unserem Alltag.Die jüngsten Erkenntnisse um rechten Terrorismus haben gezeigt, dass Ignoranz gegenüber Unbelehrbaren gefährlich ist. Wir müssen hinschauen, aufstehen und Präsenz zeigen. Wo wir für Gleichberechtigung, Toleranz und Menschenrechte eintreten, nehmen wir Feindseligkeit und Rassismus den Raum. Chemnitz ist eine weltoffene, tolerante und bunte Stadt. Darum rufen wir alle Chemnitzerinnen und Chemnitzer auf, sich gemeinsam mit den demokratischen Fraktionen des Stadtrates, der Oberbürgermeisterin, Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaft, Kultur, Sport, Wissenschaft, Kirchen, der Jüdischen Gemeinde, Initiativen, Vereinen und Akteuren der Zivilgesellschaft am 5. März 2012, 18 Uhr friedlich auf dem Neumarkt zu versammeln und ein deutlich sichtbares Zeichen setzen: Es ist unsere Stadt – Nazis haben hier keinen Platz.
In einem ersten Podium zu diesem Thema sollen Hintergründe beleuchtet werden, auch zur Tatsache, dass die NSU-Terroristen jahrelang in und von Chemnitz und Zwickau aus operierten und hier offensichtlich Unterstützungsnetzwerke nutzen konnten.
Dies diskutieren anhand der aktuellen Entwicklungen und im Hinblick auf den 13. und 18. Februar in Dresden sowie den 5. März in Chemnitz:
Kerstin Köditz,
MdL Fraktion DIE LINKE.
Sprecherin für antifaschistische Politik und Mitglied der PKK für den
Verfassungsschutz
Klaus Bartl, MdL Fraktion DIE LINKE.
verfassungs- und rechtspolitischer Sprecher, stellv. Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des 2. Untersuchungsausschusses
am Montag, dem 6. Februar 2012, 19.00 Uhr,
im ROTHAUS, Lohstraße 2, 09111 Chemnitz
Veranstaltungen zum Chemnitzer Friedenstag 2012
Veranstaltungen zum Chemnitzer Friedenstag 2012
Freitag, 2. März 2012, 19.00 UhrWeltecho, Annaberger Str. 24, 09111 ChemnitzCHEMNITZER FRIEDENSIMPULSE 2012Wie viel zivilen Ungehorsam braucht unsere Gesellschaft in der Auseinandersetzung mit Neonazis? Debatte mit dem Jenaer Oberbürgermeister Herrn Dr. Albrecht SchröterVeranstalter: AG Chemnitzer FriedenstagSonntag, 4. März 2012, 16.00 UhrRathaus, Stadtverordnetensaal Verleihung des Chemnitzer Friedenspreises 2012Der Chemnitzer Friedenspreis wird unter der Schirmherrschaft des Bürgervereins FUER CHEMNITZ e.V. und in Zusammenarbeit mit dem Kriminalpräventiven Rat und der Ausländerbeauftragten der Stadt verliehen. Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Chemnitz und eins energie in sachsenMontag, 5. März 2012Chemnitzer InnenstadtAKTIONEN FÜR EIN NAZIFREIES CHEMNITZaktuelle Informationen dazu am Friedenskreuz oder unterwww.chemnitz-nazifrei.deNeumarkt: Gedenk- und Aktionsfläche FRIEDENSKREUZ tagsüber künstlerische und thematische Aktionen Hauptveranstaltung: 18 – 19 Uhrdetaillierte Informationen unter www.chemnitzer-friedenstag.de21.00 Uhr Gedenkgeläut Chemnitzer Kirchen
Nationalsozialistischer Untergrund
Die aktuellen Erkenntnisse in der Mordserie und terroristischen Anschläge, die auf eine Gruppierung rechtsextremistischer Neonazis geht, sind entsetzlich. Und belegen auf dramatische Weise: Neofaschismus ist kein demagogisches Gespenst, sondern grausame Realität. Der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich spricht jetzt endlich auch von Rechtsterrorismus. Noch vor einigen Monaten, nach dem verheerenden Attentat des Rechtsextremisten Breivik in Norwegen, hat er erklärt, es gebe keine Hinweise auf rechtextremistische Aktivitäten in Deutschland.
Angesichts des jahrzehntelangen Terrors im Untergrund muss man sich doch fragen, was für eine Rolle spielt der Verfassungsschutz? Denn vor dem öffentlichen Bekannt werden der Morde an neun Türken und einem Griechen, die kleine Geschäftsinhaber waren, und dann der zehnte Mord an der Polizistin, hatte man laut Verfassungsschutz in Deutschland keine rechtsterroristischen Strukturen feststellen können. Aber eindeutig ist die Thüringer Terrorzelle fest im braunen Milieu der neofaschistischen NPD verwurzelt. Vor ein paar Tagen hat nun die Bundesministerin der Justiz, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Kommentar dazu Stellung bezogen und ganz im Sinne des ehemaligen Ministerpräsidenten von Hessen, Roland Koch, die brutalst- mögliche Aufklärung der Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“ angekündigt. Das damals mit Roland Koch ging aber in die Hose.
Wir müssen erkennen: Es gibt nicht nur irgendwelche irren, durchgeknallten Nazis. Dahinter stehen Strukturen, die das ermöglichen. Heinrich Fink, evangelischer Theologe und Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes: „Solange die NPD nicht verboten ist, genügt allein schon die Legalität, um ihr einen Anschein von Legitimität zu verleihen“. Ein ernster Beweis, dass die Bundesregierung politisch verantwortlich handelt und gegen die Neonazis vorgeht, wäre das Verbot dieser Partei.
Dietmar Uhle
Die Neonazistory
Die Morde und Überfälle des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) gelten weithin als neue Qualität rechter Gewalt. Wobei man nun angeblich erst dahinter kommt, dass das Zwickauer Nazi-Trio Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt in einen Zeitraum von gut zehn Jahren zehn organisierte Morde von München, über Köln, Hamburg bis Rostock an Menschen vorwiegend mit Migrationshintergrund begangen hat. Es handelt sich um acht Türken und einen Griechen, alles kleine Geschäftsinhaber, und eine Polizistin, wobei ihr Kollege bei dem Anschlag schwer verletzt wurde. Bei dieser Mordserie, deutschlandweit begangen, dürfte den Ermittlern doch nicht entgangen sein, dass diese Verbrechen immer wieder ihr ganz spezielles Täterprofil aufwiesen. Zum Beispiel dieselbe Tatwaffe. Dennoch war die Staatsgewalt nicht in der Lage, Rückschlüsse zu ziehen. Im Gegenteil, man formierte eine Aufklärungsabteilung der Polizei unter dem Namen „Bosporus“ und ermittelte stur, einseitig in Richtung Schutzgelderpresser. Es ist unglaublich, in der jahrelangen Kette dieser Mordtaten, des Terrors und der Banküberfälle konnten die Ermittler nicht einen einzigen Mord aufklären. Eigentlich blamabel, frustrierend und ein Skandal.
Wenn ein Kind ermordet wird, dann sagt oder schreibt man den Vornamen des Kindes, um ein Gefühl des Entsetzens, des Mitleids und der Nähe zum Opfer bei uns herbeizuführen. Und jeder will unbedingt und schnell die Aufklärung des Verbrechens Aber was sind „Dönermorde“? Kann man Döner ermorden. Was, wer, wie ermordet Döner und wozu? Hörte das ein Fremder, wüsste er nicht, worum es geht. Dazu gibt es keinen Bezug. Wortschöpfungen dieser Art werden von Denkfabriken geschaffen, um die Menschen in eine ganz bestimmte Richtung zu manipulieren, auszurichten für eine Sprache, die uns entfremdet. Damit schafft man Abstand zu diesen brutalen Taten. Uns ist das fremd, es geht uns nichts an. Es schafft keine Nähe zu den Opfern. Das ist alles sehr weit weg von uns. Es drängt, in der gegenwärtigen Situation über die Zukunft des demokratischen Systems der Bundesrepublik nachzudenken. Ja, wir nehmen leider nur auf eine sehr passiven Weise die Gewalt und den Terror konstituierender Elemente nazistischer Ideologie und organisierter Verbrechen gegen Andersdenkende, Linke und Menschen mit Migrationshintergrund zur Kenntnis. Über die Medien kommt vieles daher, als sei das alles naturgegeben und nicht zu verhindern. Das entschuldigt Parteien, die Politik und die von ihnen verantwortete Ethik sowie ihr Versagen gegen Rechtsterrorismus. Schlimmer, wer Neonazis und ihre entschiedenen Gegner gleichsetzt, will rechten Terror verharmlosen. Seit Bestehen der Bundesrepublik gehörten ein aggressiver Antikommunismus und gegen linke politische Bewegungen gerichteten Repressionen zur Staatsdoktrin. Statt nun die Mordserie der neonazistischen Terrorgruppe (NSU) und die Verstrickung der Sicherheitsbehörden in die Tötung der Migranten und der Polizistin tatsächlich energisch aufzuklären und gegen Rechts ein Signal zu setzen, bemüht man jetzt Politologen, wie z. B. ein Klaus Schröder, der mit pseudowissenschaftlichen Phrasen beweisen will: Grund dafür, dass diese neonazistische Zelle vor allem in Thüringen und Sachsen aktiv war, ist ein Phänomen des Ostens. Der Osten sei anfälliger für Rechtextremismus, der Grund dafür liegt in der DDR-Vergangenheit. Schröder sollte zur Kenntnis nehmen, dass eine Entnazifizierung unter Kanzler Adenauer nur lau durchgeführt und 1951 per Gesetz in der Bundesrepublik eingestellt wurde. Das der importierte Rechtsextremismus bis Mitte der 1960-er Jahre bundesdeutsche Staatsdoktrin war. Die NPD ist als westdeutsche Partei auf dem Gebiet der DDR und in Sachsen aktiv geworden und wird fast durchgehend von Westdeutschen geführt. In der DDR war Rassismus fast nicht vorhanden und mit den ausländischen Kollegen herrschte ein gutes Arbeitsklima. Der heutige Rassismus ist ein westdeutsches Produkt und kam mit den Ideo-logen hierher. Ihre Vorbilder haben die Neofaschisten nicht in der DDR gefunden, sondern sie eifern der braunen Erbschaft des dritten Reiches nach, die in der Bundesrepublik in Rang und Namen blieb. Rechtsterrorismus ist keine Altlast der DDR, auch keine Folge der Wiedervereinigung, nein er begleitet die BRD seit ihrem Bestehen.
Nun bislang scheinen sich die Verfassungsschutzämter von Sachsen, Thüringen und des Bundes uneinig zu sein, wer, wann, wofür verantwortlich war. Es ist zu befürchten, das Innenministerium ist gewillt, die Handlungsmöglichkeiten eines souveränen, unabhängigen Untersuchungsausschusses an die Leine zu legen. Ebenso halten DIE LINKE und die bündnisgrüne Fraktion im sächsischen Landtag den „Aufklärungswillen der Staatsregierung für unterentwickelt. Innenminister Ulbig wird aufgefordert, endlich die Aufklärung der Verbrechen rund um die Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund und dessen Netzwerk anzupacken.
Dietmar Uhle
Das Buch gegen Nazis

Erste Hilfe gegen Nazis - das Handbuch zum Rechtsextremismus
Eine neue Studie zeigt: Neonazis haben unter Schülern immer mehr Zulauf. Rassismus und Fremdenhass nehmen zu in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Was tun gegen Nazis? Erste Hilfe bietet dieses Buch. Rechtsextremismus breitet sich aus, nicht nur unter Jugendlichen. Ihre Anführer geben sich cool - sie locken mit Musik, Abenteuern und modischem Chic. Immer mehr Menschen fragen: Was tun? Welche Rezepte gibt es, um friedlich und kreativ gegen Rechtsextreme und Rassisten vorzugehen - sei es als Nachbar, im Sportverein, in der Schule oder am Arbeitsplatz? Und was ist Rechtsextremismus überhaupt? Soll man mit Nazis eigentlich diskutieren? Woran erkenne ich die? Wie soll man auf Drohungen von Rechtsextremisten reagieren? Was tue ich, wenn meine beste Freundin plötzlich NPD wählt? Hilft ein Verbot der Partei? Und sind Sitzblockaden bei Neonazi-Demonstrationen eigentlich strafbar? Das Buch
gegen Nazis vermittelt kompaktes Wissen und gibt praktische Tipps. Es stellt beispielhafte Initiativen vor und empfiehlt Ansprechpartner für Ratsuchende. Ein Anhang mit zahlreichen Fotos erklärt die Erkennungszeichen der Nazis von heute. Mit Vorworten von Thomas Krüger und Giovanni di Lorenzo und Beiträgen von zahlreichen Fachautoren. Ein Projekt der ZEIT und der Bundeszentrale für politische Bildung. (TK)
Erschienen August 2009 bei Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3462041606, 12,95 E
Der braunen Bedrohung energisch engegen treten
Jahrelang haben die Bundesregierung und die sächsische Landesregierung, aber auch andere politisch Verantwortliche, die Gefahr von Rechts bagatellisiert und verharmlost. Dabei sind seit 1990 in Deutschland über 180 Menschen durch rechte Gewalt zu Tode gekommen. Die Entdeckung der rechtsextremen Terrorzelle in Zwickau müsste jetzt auch dem Letzten die Dramatik der Situation vor Augen führen. Der Kampf gegen Rechts muss nun auf allen Ebenen intensiviert werden.
Die Bündnisse gegen Rechts in Südwestsachsen, in denen auch DIE LINKE und viele Genossinnen und Genossen stark engagiert sind, warnen seit vielen Jahren davor, dass sich die Nazis in der Region immer stärker etablieren. Die NPD und die so genannten Freien Kräfte, auch bekannt unter Nationale Sozialisten oder Autonome Nationalisten, haben in den letzten Jahren ihre Aktivitäten enorm verstärkt, was sich unter anderem an der Zunahme von Demonstrationen, Eröffnung von rechtsextremen Anlaufstellen, Büros und dem Einzug in die Kommunalparlamente zeigt. Was muss noch passieren, damit auch der letzte politisch Verantwortliche der Region erkennt, dass wir in Südwestsachsen ein massives rechtsextremes Problem haben, das sich durch Wegschauen nicht von selber wieder verflüchtigen wird. Der offensichtlich ernst gemeinte und immer noch von manch einem Politiker gemachte Vorschlag, Aufmärsche und Kundgebungen rechtsextremer und neonazistischer Vereinigungen durch Nichtbeachtung zu bekämpfen, dokumentiert die Hilflosigkeit und völlige Fehleinschätzung der Lage, die sich quer durch Politik und Gesellschaft zieht. Von besonderer Bedeutung ist auch, dass die braune Infrastruktur aufgedeckt und gestört wird. Zur Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit ist die rechte Szene auf Büros, Räumlichkeiten für Veranstaltungen, Lager, Versandhändler, Busunternehmen usw. angewiesen. Die Unternehmen und Privatpersonen, die unwissend Geschäfte mit den Nazis machen, gilt es darauf hinzuweisen, wer ihre „Kunden“ eigentlich sind. Denen, die es bewusst tun, muss klar gemacht werden, dass sie damit aktiv den Terror von Rechts unterstützen. Dieses Verhalten gilt es, gegebenenfalls auch öffentlich in den Fokus zu rücken.
Zu den regelmäßigen Aktivitäten der Nazis gehört auch, dass sie versuchen, in immer mehr Städten Deutschlands die Geschichte für ihre Zwecke im Rahmen von Aufmärschen anlässlich der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg umzudeuten, so leider auch regelmäßig in Dresden und Chemnitz zum 13. Februar und 5. März. Auch im Jahr 2012 dürfen die Demokratinnen und Demokraten von nah und fern den Rechtsextremen keinen Raum für ihre braune Propaganda lassen. Besorgniserregend ist, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Protestveranstaltungen gegen Naziaufmärsche zunehmend kriminalisiert und ihnen Straftaten vorgeworfen werden, wenn sie eigentlich nur ihr Recht auf Versammlung wahr nehmen möchten. Im öffentlichen Fokus steht dabei besonders Dresden, aber auch in Chemnitz war dies im vergangenen Jahr der Fall. Ich hoffe, dass sich davon niemand einschüchtern lässt und viele Bürgerinnen und Bürger an den Protestaktivitäten sowohl am 13. und 18. Februar in Dresden als auch am 5. März in Chemnitz teilnehmen.
Sabine Zimmermann,
MdB DIE LINKE
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!

Man kann schon staunen über das Staunen maßgeblicher Politiker, das sie an den Tag legten, als sich zwei Tote als Neonazis erwiesen, die offensichtlich zehnfach mordeten, Banken überfielen und Sprengstoffanschläge verübten. Es folgten die Forderung nach einem NPD-Verbot sowie Worte und Gesten der Betroffenheit. Das allerdings lässt zweifeln an der Wahrnehmungsfähigkeit auch sächsischer Regierungspolitiker. Denn nicht nur den Abgeordneten der demokratischen Opposition, sondern auch etlichen engagierten Vereinen, Journalisten und antifaschistischen Initiativen ist seit Jahren bekannt, dass Sachsen als eine der Hochburgen des organisierten Neonazismus in der Bundesrepublik gilt und dass auf das Konto der Neonazis wesentlich mehr Straftaten gehen, als in offiziellen Statistiken erfasst wurden und werden.
Doch die Regierungskreise blieben einsichtslos und so wundert es auch nicht, dass Ende November der Antrag der LINKEN im Sächsischen Landtag nach der Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission zur „Aufklärung der Mitverantwortung sächsischer Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden für das ungehinderte Wirken der Terrorzelle ‚Nationalsozialistischer Untergrund’“ abgeschmettert wurde. Ein modifizierter zweiter Antrag, die Frage von Organisationsverschulden und Verantwortung der Staatsregierung durch unabhängige Experten prüfen zu lassen, wurde von CDU und FDP im Dezember-Plenum abgebügelt.
Erklärung

VVN-BdA Landesvorstand Sachsen
Der Landesvorstand Sachsen der VVN-BdA nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, dass die Innenminister sich entschlossen haben, ein Verbot der rechtsextremen, neofaschistischen NPD zu erwägen und die Bedingungen hierfür zu prüfen. Nun darf nicht auf halben Wege stehengeblieben werden. Fakten und Beweise für das grundgesetzwidrige Treiben der NPD und ihrer Anhängerschaft gibt es genug. Über 175.000 Bundesbürger haben ein solches Verbot schon 2007 mit ihren Unterschriften gefordert. Mehr als 5.000 Menschen haben sich 2009 mit ihren Argumenten an der VVN-Kampagne
„NoNPD“ beteiligt. Nun ist es an der offiziellen Politik, endlich konkret zu werden, und über Betroffenheitserklärungen hinaus Schritte zum Schutz der Republik vor ihren Feinden einzuleiten.
Ein wenig Zweifel bleibt doch. Während fast täglich in den Medien über Fahndungsmaßnahmen gegen die militante Rechte berichtet wird, schweben noch die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Antifaschisten, die sich mutig den Neonazis in den Weg gestellt haben, die versucht haben, deren Propagandamärsche in Dresden und anderswo zu verhindern. Pfarrer Lothar König, Bodo Ramelow und André Hahn stehen hier für viele. (André Hahn wurde inzwischen zur Zahlung einer Strafe von 3000 Euro verurteilt. Die Red.)
Wie kann man Menschen verfolgen, die sich gewaltfrei gegen den braunen Ungeist, für den Schutz der Demokratie, für Toleranz in der Gesellschaft engagieren? Wir fordern die sofortige Einstellung aller politisch motivierten Verfahren gegen Antifaschisten!Engagement darf nicht kriminalisiert, sondern muss unterstützt werden. Die so genannte Extremismusklausel ist dazu nicht geeignet. Sie muss zurückgenommen werden!
Im Februar 2012 ist es wieder soweit. Der Naziaufmarsch ist angekündigt, angemeldet und genehmigt. Trotz aller Ereignisse und Erkenntnisse im Herbst 2011. Wir Kameraden der VVN Sachsen stehen in einer Reihe mit all jenen, die sagen: „Das werden wir nicht hinnehmen. Das werden wir nicht zulassen.“ Wir rufen unsere Kameraden, die Gliederungen der VVN-BdA Sachsen auf, sich an den Aktionen der antifaschistischen Kräfte gegen den Naziaufmarsch zu beteiligen, diese zu unterstützen. Wir bitten ebenfalls die Landesverbände der VVN-BdA, uns zu unterstützen und mit dafür zu sorgen, dass der Dresdner Naziaufmarsch endlich Vergangenheit wird.
Wir rufen alle Teilnehmer an Protesten gegen die Naziaufmärsche auf, bei allen Aktionen besonnen zu bleiben, sich nicht provozieren zu lassen und unseren Protest gewaltfrei vorzutragen. Gemeinsamkeit ist unsere Stärke. Jeder, unabhängig der politischen, religiösen und ethnischen Herkunft und Bekenntnisse, der sich gegen die Neofaschisten stellt, ist uns als Partner in der Abwehr der braunen Horden willkommen.
Gemeinsam schaffen wir es: Sie kommen nicht durch!
Dresden, Dezember 2011
Mädelsache!
Frauen in der Neonazi-Szene
Von Andrea Röpke und Andreas Speit
Seit einigen Jahren treten Frauen in der männerdominierten Neonazi-Bewegung zunehmend selbstbewusster auf. Sie kandidieren für die NPD, organisieren Demonstrationen und kümmern sich um die Erziehung des rechten Nachwuchses. Vor allem aber sind sie bestrebt, rechtsradikale Politik unter dem Deckmantel von sozialen Themen wie Naturheilkunde, Ökologie, Kindergeld und Hartz IV auf kommunaler Ebene durchzusetzen. Gestützt auf Insiderinformationen geben die beiden ausgewiesenen Kenner des rechtsextremen Milieus Andrea Röpke und Andreas Speit einen Einblick in das Innenleben dieser Szene. Sie schildern, wo völkische »Sippen« bereits Vereine, Elternräte oder Nachbarschaften prägen, fragen, warum Politik und Verfassungsschutzbehörden diesem gefährlichen Treiben tatenlos zuschauen und zeigen Strategien gegen die rechtsradikale Unterwanderung der Gesellschaft auf. (TK)
Erschienen März 2011 im Christoph Links Verlag 9783-86153-615-4, 16, 90 E
Neues erfährt man aus den Medien - aber nicht von der Sächsischen Regierung. Denn die setzt seitdem ihre Politik der Ausreden und Reklamierung von Zuständigkeitsproblemen fort und steuert nichts Substanzielles zur Beantwortung der Fragen bei, ob Pflichtverletzungen sächsischer Strafverfolgungsbehörden zur Existenz und dem jahrelangen Unwesen des rechtsterroristischen Netzwerkes „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) beigetragen haben und inwieweit die Regierungsstellen, die die Fach-, Rechts- und Dienstaufsicht über diese Behörden haben, ein Verschulden trifft.
Und wurde im Landesamt für Verfassungsschutz nicht 2003 ein Referat 33/34 eigenst geschaffen "für die Beobachtung organisierter Kriminalität"? In den Debatten um den "Sachsensumpf" wurde es als das Mittel gerechtfertigt, um kriminelle Strukturen, die eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellen, unter die Lupe nehmen zu können. Sollte das nicht gerade auf die NSU-Terrorgruppe zutreffen?
Nicht nur diese Frage führt nun dazu, dass DIE LINKE die Erweiterung des Einsetzungsauftrages des 2. Untersuchungsausschusses fordert. Wird dies – fast erwartbar – in der Plenarsitzung am 25.1.12 durch die schwarz-gelbe Regierungskoalition wieder abgelehnt, wird wohl im Frühjahr ein gänzlich neuer 3. Parlamentarischer Untersuchungsausschuss durch LINKE, SPD und Grüne beantragt werden. Aufklärung ist Prävention! Und darum muss die Sächsische Regierung Farbe bekennen, notfalls auch unter massivem parlamentarischem Zwang.
Klaus Bart

